Immer noch bewegt sich die plastische Chirurgie, wird sie nur zum Zwecke der Korrekturen an „Patienten“ aus Gründen purer Eitelkeit angewendet, auf einem schmalen Grat zwischen Ablehnung und Akzeptanz. Der ewige Streit über das „Natürliche“ in der Natur wird sicher noch nicht so bald beigelegt werden können. Vor allem nicht, solange es betuchtes Klientel gibt, welches sich diese Art der „medizinischen“ Anwendung leisten kann. An dieser Stelle wird deutlich, dass viele Misstöne in Richtung der „medizinischen Ästhetik“ aus Gründen des Sozialneides entfacht werden. Diese Betrachtungen sind allesamt recht oberflächlicher Natur.

„Medical Aesthetic“ will dafür sorgen, dass solche Pauschalurteile in Zukunft besser überdacht werden. Als erste Aussage dazu soll der Fakt stehen, dass die Anzahl der sogenannten reinen „Schönheits-OPs“ inzwischen sehr gering in Bezug auf das Gesamtaufkommen an plastischen Operationen geworden ist. Einen Hauptteil macht die Wiederherstellung insbesondere als Nachsorge zur Unfallchirurgie und Amputationschirurgie aus. Auch wenn man zum Beispiel dem Wiederaufbau einer weiblichen Brust nach einer Amputation in Folge etwa einer fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung einen Faktor Eitelkeit unterstellen muss, so ist diese Operation zweifelsfrei eine in Bezug auf das psychische Wohlbefinden der Patientin durchaus als medizinisch notwendig anzusehende. Und wenn man mal selbst betroffen ist, redet man darüber sicher ebenfalls ganz anders.

Nehmen wir an dieser Stelle noch zwei wichtige Beispiele her, welche ebenfalls den schmalen Grat verdeutlichen sollen. Sprechen wir über die "natürliche" Fetteinlagerung besonders bei Frauen unter starken hormonellen Veränderungen, also während einer Schwangerschaft oder im Verlauf der Wechseljahre. Besonders die Schwangerschaft verändert den bis dahin als "natürlich" empfundenen Körper einer Frau mitunter auf sehr extreme Art und Weise. Hierbei spielen sehr verschiedene Faktoren eine Rolle, die fast nie im Verantwortungsbereich der werdenden Mutter liegen. Da dehnt sich die Haut im Bauchbereich, bis diese reißt, obwohl gesalbt und geölt wurde, was die Hausapotheke hergab. Dort haben sich trotz gesündester Ernährung und sportlicher Aktivität nach der Geburt sehr dicke Polster verewigt, heute als „diätresistente“ Fetteinlagerung bezeichnet. Und nach dem Stillen sieht die Brust rein gar nicht mehr so „appetitlich“ aus, wie es Frau vielleicht vorher selbst empfunden hat. Nun hat Frau alles dafür getan, um die Garderobe „große Größen“ endlich wieder in den Schrank hängen zu können, aber der Erfolg bleibt aus. Auch an dieser Stelle kann die plastische Korrektur der Patientin ein gutes Stück Selbstachtung zurückgeben, ohne dass sie irgendwann an den eigenen Anstrengungen letztlich verzweifelt.

Die „ästhetische Medizin“ sollte also nicht nur aus einem starren Blickwinkel heraus betrachtet werden. Und solange viele Anwendungsbereiche der plastischen Chirurgie soger innerhalb der Medizinerkreise teilweise heftig umstritten sind, wird eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema notwendig bleiben. Auch wenn das allgemeine Selbstvertrauen vieler Menschen trotz des Tragens von Kleidung der großen Größen stetig wächst...

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